1) Stefan Leinen, 1983 in Büdesheim geboren, absolvierte Ausbildungen zum Holzmechaniker und Zimmerer sowie 2009 seinen Meisterbrief. Nach Jahren als Dachdecker- und Zimmermeister wechselte er 2014 zur DEG Kenn, wo er den Abbundbereich aufbaute. 2021 folgte der Wechsel zu Dietrich’s Software, bis er 2024 zur DEG zurückkehrte.
2) Heiko Keller, 50 Jahre alt, ist gelernter Schreiner und Holzingenieur (Abschluss 1999 mit Schwerpunkt konstruktiver Holzbau, Statik und Bauphysik). Nach acht Jahren in Arbeitsvorbereitung und CAD-Konstruktion wechselte er 2008 zur DEG, zunächst in Mittelhessen, seit 2017 als Leiter des Bereichs ‚Konstruktiver Holzbau‘. Von 2015 bis 2019 absolvierte er berufsbegleitend ein BWL-Studium.
3) Dirk Lismann, 50 Jahre alt, unterstützt seit dem 01.07.2022 überregional Brettsperrholz-Projekte im Massivholzbau. Mit über 30 Jahren Erfahrung als Zimmerer und Zimmerermeister sowie einer Weiterbildung zum Gebäudeenergieberater (HWK) bringt er energetisches Know-how bereits in die Planung ein. Zuvor war er zehn Jahre Projektleiter in der Arbeitsvorbereitung eines Brettsperrholzherstellers und sammelte dort umfassende Objekterfahrung.
Drei Experten der DEG werfen einen Blick auf die zukünftigen Entwicklungen im Holzbau und die Rolle, die ihr Unternehmen dabei spielen kann. Heiko Keller, Bereichsleiter, sowie die Projektberater Holzbau Stefan Leinen und Dirk Lismann diskutieren die Chancen und Herausforderungen, die neue Technologien und Marktentwicklungen mit sich bringen.
Heiko Keller Lasst uns doch mal gemeinsam überlegen, wie es im Holzbau in den nächsten Jahren weitergeht. Die Branche verändert sich ja ständig. Was denkt ihr, wie unser Unternehmen da mitgeht? Wohin geht die Reise?
Dirk Lismann „Naja, ich denke, die klassischen Neubauten werden in den nächsten Jahren nicht mehr die Hauptrolle spielen. Der Markt für Neubauvolumen wird kleiner, die Finanzierung wird schwieriger, und politisch gibt’s ja auch immer mehr Hürden wegen des Flächenverbrauchs. Der Fokus wird sich mehr auf Umbauten, Aufstockungen und Sanierungen verschieben.“
Stefan Leinen Da stimme ich zu. Auch in meiner vorherigen Position habe ich gesehen, dass viele Städte ihre Flächen kaum noch ausdehnen können. Da geht’s dann oft nur noch um Nachverdichtung. Mit einer flexiblen Leichtbauweise und der Möglichkeit, auch bestehende Gebäude wie Dachstühle zu sanieren oder aufzuwerten, kommen wir in die richtigen Bereiche.
Heiko Keller Genau, das ist ein wichtiger Punkt. Diese Nachverdichtung in den Städten wird ein riesiges Thema. Und das erfordert natürlich auch eine gewisse Flexibilität im Handwerk und in der Planung. Aber ich denke, ein weiterer entscheidender Faktor wird die Unterstützung durch moderne Technologien in der Arbeitsvorbereitung (AV) sein. Wir müssen nicht nur das Handwerk selbst optimieren, sondern auch die Prozesse davor – angefangen bei der präzisen Planung.
Der Fokus wird sich mehr auf Umbauten, Aufstockungen & Sanierungen verschieben.
Heiko Keller, Bereichsleiter Holz
Dirk Lismann Ja, das stimmt. Der Bereich der Arbeitsvorbereitung wird immer wichtiger. Ich denke da an die digitale Planung und das digitale Aufmaß. Wir sollten noch stärker auf die Erstellung eines digitalen Zwillings setzen – zum Beispiel durch Lasertechnik und 3D-Scanner, die uns das Aufmaß der Gebäude präzise liefern können. Wenn wir das dann direkt in CAD integrieren, können wir die gesamte Geometrie des Gebäudes exakt abbilden und die Planungsprozesse viel schneller und fehlerfreier gestalten.
Wir sollten noch stärker auf die Erstellung eines digitalen Zwillings setzen.
Dirk Lismann
Stefan Leinen Das ist ein Punkt, bei dem ich einiges beisteuern kann. In meiner bisherigen Arbeit habe ich oft mit 3D-Scannern und Laser-technik gearbeitet, um Gebäudeaufmaße zu er-stellen. Wenn wir das im Holzbau konsequent einsetzen, können wir eine Punktewolke erzeugen, die sämtliche bauliche Details millimetergenau erfasst. Die Analyse der Punktewolke und die Übergabe der Daten an CAD-Systeme zur weiteren Bearbeitung ist der nächste Schritt. Das hilft uns nicht nur bei Neubauten, sondern vor allem bei komplexen Umbauten und Sanierungen, wo es auf jedes Detail ankommt.
Heiko Keller Das klingt nach einer wichtigen Erweiterung unseres Portfolios. Wenn wir diese Technologien in die Arbeitsvorbereitung integrieren, können wir nicht nur schneller und präziser planen, sondern auch die Konstruktion der Auf-stockung, des Anbaus oder der Decken- und Dachplatten direkt aus den digitalen Modellen ableiten. Das bedeutet für uns eine enorme Zeitersparnis und eine viel höhere Qualität der Ausführung.
Dirk Lismann Richtig, und die Freigabe der Pläne zur weiteren Bearbeitung durch Planer und Verarbeiter lässt sich so auch viel schneller realisieren. Denn wir haben dann die komplette geometrische Grundlage, die die Planer direkt verwenden können. Sobald die Pläne freigegeben sind, können wir die Daten sogar direkt an die CNC-Maschinen unserer Partner übergeben, die die Elemente zur Elementfertigung herstellen. Die Daten gehen direkt in die Fertigung, und anschließend werden die Bauteile exakt nach Plan angefertigt.
Die Freigabe der Pläne zur weiteren Bearbeitung durch Planer und Verarbeiter lässt sich so auch viel schneller realisieren. Denn wir haben dann die komplette geometrische Grundlage.
Dirk Lismann
Stefan Leinen Diese CNC-Maschinen können dann mit hoher Präzision arbeiten, was wiederum zu einer besseren Qualität der Bauteile führt. Die Anlieferung an die Baustelle wird dann nicht nur effizienter, sondern auch fehlerfreier. Wenn die Teile genau auf Maß gefertigt werden, sparen wir uns nicht nur Zeit, sondern auch Material – was natürlich auch ein wichtiger Aspekt in der Nachhaltigkeit und Kostenkontrolle ist.
Heiko Keller Genau! Die komplette digitale Kette – vom Aufmaß über die Punktewolke bis hin zur CNC-gesteuerten Fertigung – macht uns zu einem sehr flexiblen und effizienten Unternehmen. Wir können schneller auf Änderungen reagieren, Projekte präziser umsetzen und dabei auch noch die Qualität steigern. Ich denke, das ist der Weg, den wir in den nächsten Jahren stärker gehen müssen.
Die komplette digitale Kette macht uns zu einem sehr flexiblen und effizienten Unternehmen.
Heiko Keller, Bereichsleiter Holz
Dirk Lismann Ich sehe da viele Vorteile, besonders wenn es um komplexe Umbauten oder Sanierungen geht. Da ist oft keine Zeit für manuelle Nachmessungen oder aufwendige Korrekturen. Mit einem digitalen Zwilling und der Möglichkeit, direkt auf die fertigen Daten zurückzugreifen, können wir uns viel Aufwand sparen und die Planung deutlich beschleunigen.
Stefan Leinen Ich finde es auch spannend, wie all diese Technologien zusammenarbeiten können. Die Drohnen zur Gebäudeinspektion, der 3D-Scanner für das präzise Aufmaß, und das CAD-System, das uns alle Daten in einer digitalen Form liefert – das ist wirklich die Zukunft. Wir können das so anpassen, dass es für jedes Projekt die beste Lösung gibt.
Heiko Keller Absolut. Und das ist der Punkt: Wir bieten nicht nur ein Produkt, sondern eine komplette Lösung. Durch unsere Technologie und unsere Prozesse können wir flexibler und schneller auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren. Der Holzbau der Zukunft wird digitalisiert und standardisiert – aber auch anpassungsfähig und nachhaltig.
Dirk Lismann Da bin ich mir sicher. Wir sind auf einem guten Weg, uns als Vorreiter in diesem Bereich zu positionieren. Wenn wir diese Technologien jetzt konsequent weiter ausbauen, können wir die Branche maßgeblich mitgestalten.
Stefan Leinen Und das ist genau das, was mich an dieser Branche reizt. Mit innovativen Technologien und modernen Lösungen können wir nicht nur schneller, sondern auch viel präziser und nachhaltiger arbeiten. Das ist ein echter Mehrwert für alle Beteiligten.
Heiko Keller Perfekt, wir sind uns also einig: Die Reise geht definitiv in die Richtung einer digitalen Zukunft, die den Holzbau effizienter, flexibler und nachhaltiger macht. Wir sind gut aufgestellt, um diese Chancen zu nutzen.
Die Reise geht definitiv in die Richtung einer digitalen Zukunft.
Heiko Keller, Bereichsleiter Holz